REGAFFAIRS AI
Guide · 2026-11-02 · 4 min

Arbeitsplatzgrenzwert verstehen und in TRGS 900 nachschlagen

Der Arbeitsplatzgrenzwert begrenzt die Stoffkonzentration in der Luft am Arbeitsplatz. So lesen Sie AGW, TRGS 900 und die Angaben in GESTIS richtig.

Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) ist ein gesundheitsbasierter Grenzwert für die zeitlich gewichtete durchschnittliche Konzentration eines Stoffs in der Luft am Arbeitsplatz. Die deutschen Arbeitsplatzgrenzwerte stehen in der TRGS 900. Bis zu dieser Konzentration sind akute oder chronische schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Beschäftigten im Allgemeinen nicht zu erwarten. So steht es in § 2 der Gefahrstoffverordnung. Nach dem IFA erfolgt die Festlegung ausschließlich auf der Basis arbeitsmedizinischer Erfahrungen und toxikologischer Erkenntnisse.

Für die betriebliche Bewertung reicht die Zahl allein nicht aus. Zum Eintrag gehören Einheit, Bezugszeit, Kurzzeitregelung und Bemerkungen.

Was der AGW-Wert aussagt

§ 2 Absatz 8 bezieht den AGW auf einen gegebenen Referenzzeitraum und nennt keine feste Stundenzahl. In der Regel gelten die Werte nach der TRGS 220 als Schichtmittelwerte bei achtstündiger Exposition an fünf Tagen pro Woche über die Lebensarbeitszeit. Dieselbe Stelle nennt mg/m³, bei Gasen und Dämpfen zusätzlich ml/m³ (ppm), und vorhandene Kurzzeitwerte gesondert. Expositionsspitzen sind zusätzlich zu beachten. Ein eingehaltenes Schichtmittel sagt noch nichts über die zulässige Kurzzeitbelastung. Übernehmen Sie einen Zahlenwert nie ohne Einheit und Zeitbezug.

Auf der BAuA-Seite zur TRGS 900 stand am 2. November 2026 als letzte Änderung der 5. Juni 2026, GMBl 2026 S. 353-354. „Ausgabe Januar 2006“ ist der Dokumentenursprung, nicht der aktuelle Bearbeitungsstand. Für die Suche nach „TRGS 900 PDF“ führt der amtliche Download zum Dokument.

AGW, MAK, BAT und BGW unterscheiden

MAK-Werte sind nicht automatisch staatliche Arbeitsplatzgrenzwerte. Die MAK-Kommission der DFG leitet wissenschaftliche Empfehlungen für MAK-Werte in der Luft und für BAT-Werte in Blut oder Urin ab. Die Liste erscheint jährlich und wird dem BMAS übergeben. Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) erarbeitet oder bewertet die staatlichen AGW und übernimmt sie in die TRGS 900. MAK-Werte sind dafür eine Quelle, nicht der geltende AGW. Beides steht auf der IFA-Seite zu Arbeitsplatzgrenzwerten.

BegriffWas wird betrachtet?Einordnung
AGW, ArbeitsplatzgrenzwertStoffkonzentration in der ArbeitsplatzluftStaatlicher Grenzwert, TRGS 900
MAK, maximale ArbeitsplatzkonzentrationStoffkonzentration in der ArbeitsplatzluftWissenschaftliche Empfehlung der DFG-Kommission
BAT, biologischer Arbeitsstoff-ToleranzwertBiologisches Material, etwa Blut oder UrinWissenschaftliche Empfehlung der DFG-Kommission
BGW, biologischer GrenzwertStoff, Metabolit oder Beanspruchungsindikator in biologischem MaterialStaatlicher biologischer Grenzwert, TRGS 903

Die Einordnung folgt § 2 GefStoffV, den DFG-Empfehlungen und der TRGS 903. Die aktuelle deutsche DFG-Ausgabe ist die MAK- und BAT-Werte-Liste 2026.

Luftwerte und biologische Werte sind nicht austauschbar. Die Einhaltung eines BGW entbindet nicht von der Überwachung der Luftkonzentration. Wer nach „BAT-Werten“ oder der „MAK-Liste“ sucht, prüft deshalb auch, ob ein staatlicher AGW oder BGW besteht. Quelle: TRGS 903.

Arbeitsplatzgrenzwerte mit TRGS 900 und GESTIS nachschlagen

  1. Bestimmen Sie die Stoffidentität, möglichst mit der CAS-Nummer. Stoffnamen laufen auseinander. Das empfiehlt das IFA für GESTIS Internationale Grenzwerte.
  2. Öffnen Sie die aktuelle deutsche TRGS 900. Lesen Sie Einheit, Bezugszeit, Kurzzeitregelung und Bemerkungen gemeinsam.
  3. Biologische Grenzwerte stehen in der TRGS 903. Kann für einen krebserzeugenden Stoff kein AGW aufgestellt werden, kommt das risikobezogene Konzept der TRGS 910 hinzu.
  4. Für Ländervergleiche nutzen Sie GESTIS Internationale Grenzwerte. Bewerten Sie den Landeswert erst nach der Original-Grenzwertliste.

GESTIS stellt Schichtmittelwerte (TWA) und Kurzzeitwerte (STEL) gegenüber. Fußnoten betreffen etwa Hautresorptivität und Staubfraktionen. Ableitungskriterien, Schutzniveau und rechtliche Bedeutung der Grenzwerte einzelner Gremien und Behörden sind international nicht einheitlich, und auch Kurzzeitwerte oder Staubfraktionen können unterschiedlich definiert sein. Die Datenbank gibt nur einen Überblick. Ein ausländischer Wert wird durch die Anzeige nicht zum deutschen AGW. Am 2. November 2026 nannte die IFA-Datenbankbeschreibung August 2026 als letzte Aktualisierung. Das gilt nicht automatisch für jede Landesliste.

Was bei Überschreitung oder fehlendem AGW gilt

Der Arbeitgeber muss die AGW einhalten, die Einhaltung durch Arbeitsplatzmessungen oder andere geeignete Methoden prüfen und die Ergebnisse dokumentieren. Eine eigene Luftmessung ist nicht bei jeder Tätigkeit zwingend. Technische Regeln konkretisieren die Gefahrstoffverordnung. Wer sie einhält, kann in der Regel davon ausgehen, dass die Verordnung erfüllt ist. Andere Maßnahmen sind zulässig, wenn sie mindestens vergleichbaren Schutz der Gesundheit und Sicherheit erreichen. Quelle: GefStoffV, § 7.

Bei einer Überschreitung muss der Arbeitgeber unverzüglich die Gefährdungsbeurteilung erneut durchführen und zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen, um den AGW einzuhalten. Wird der AGW trotz Ausschöpfung aller technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen nicht eingehalten, ist unverzüglich persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen. Belastende PSA darf keine Dauermaßnahme sein. Sie ist für jeden Beschäftigten auf das unbedingt erforderliche Minimum zu beschränken. Quellen: GefStoffV, § 9 und § 7.

Fehlt ein AGW, bleiben Beurteilungs- und Schutzpflichten. Technische Schutzmaßnahmen sind regelmäßig auf Wirksamkeit zu prüfen, wenn weder Grenzwerte oder Konzentrationen nach § 2 Absatz 8 bis 8b noch ein Grenzwert nach § 7 Absatz 8 Satz 1 Nummer 2 vorliegen. Ein DNEL-Wert ist nicht automatisch ein deutscher AGW. Fehlen verbindliche Maßstäbe, können weitere geeignete Beurteilungsmaßstäbe relevant werden. Quellen: GefStoffV, § 7 und TRGS 402.

Alte TRK-Werte und krebserzeugende Stoffe

Einen TRK-Wert aus alten Unterlagen nicht ungeprüft als heutigen AGW übernehmen. Den aktuell einschlägigen Maßstab prüfen.

Für die überwiegende Zahl der krebserzeugenden Stoffe ist nach dem IFA kein AGW in der TRGS 900 festgelegt oder derzeit ableitbar. Das Risikokonzept gilt, wenn für einen solchen Stoff kein AGW aufgestellt werden kann. Nicht jeder krebserzeugende Stoff fällt darunter.

Über die AGW der TRGS 900 hinaus sind die verbindlichen Arbeitsplatzgrenzwerte der EU-Kommission für krebserzeugende Stoffe bei der Gefährdungsbeurteilung zu beachten. Quelle: IFA zu Arbeitsplatzgrenzwerten.

Die TRGS 910 behandelt das risikobezogene Maßnahmenkonzept. Die Akzeptanzkonzentration ist bei 40 Jahren arbeitstäglicher Exposition mit dem Akzeptanzrisiko verbunden, die Toleranzkonzentration mit dem Toleranzrisiko. So definiert es § 2 GefStoffV. Das sind keine gesundheitsbasierten AGW und keine Unbedenklichkeitsschwellen.

Die Antwort von RegAffairs AI zum Arbeitsplatzgrenzwert erläutert AGW, MAK und BAT anhand zitierter amtlicher Quellen.

Weitere Leitfäden