Was sind Zoonosen? Erreger und Zoonosen-Monitoring in Deutschland
Zoonosen können zwischen Tier und Mensch übergehen. Deutschland überwacht Salmonellen, Campylobacter, Listerien und STEC in der Lebensmittelkette.
Was sind Zoonosen und wie überwacht Deutschland sie?
Zoonosen sind Krankheiten oder Infektionen, die auf natürlichem Weg direkt oder indirekt zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können (Richtlinie 2003/99/EG). Erreger können Bakterien, Viren, Parasiten, Pilze oder Prionen sein (BfR). Seit 2009 untersuchen die Länder im Zoonosen-Monitoring die Lebensmittelkette auf Salmonellen, Campylobacter, Listeria monocytogenes und STEC. Das BVL wertet die Daten aus und veröffentlicht den Jahresbericht (Bericht 2024).
Was ist eine Zoonose?
Artikel 2 der Richtlinie 2003/99/EG definiert Zoonosen als sämtliche Krankheiten und/oder sämtliche Infektionen, die auf natürlichem Weg direkt oder indirekt zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Die deutsche AVV Zoonosen Lebensmittelkette übernimmt diese Definition in § 3. Zoonoseerreger sind dort Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten oder andere biologische Agenzien, die eine Zoonose auslösen können. Eine Zoonose muss nicht über Lebensmittel laufen.
Zoonosen-Liste der EU
Anhang I, Liste A der Richtlinie 2003/99/EG nennt die Zoonosen und Erreger, die alle Mitgliedstaaten überwachen müssen:
- Brucellose, Campylobacteriose, Echinokokkose, Listeriose, Salmonellose und Trichinellose mit ihren Erregern
- Tuberkulose durch Mycobacterium bovis
- verotoxinbildende Escherichia coli (VTEC)
Die Texte nutzen verschiedene Kürzel: VTEC in der Richtlinie, STEC (Shigatoxin-bildende E. coli) im BVL-Bericht 2024, EHEC in den RKI-Fallzahlen und in § 7 IfSG. Auch Antibiotikaresistenzen werden überwacht. Der BVL-Bericht 2024 erläutert die verbindlichen Vorgaben des Durchführungsbeschlusses (EU) 2020/1729.
Wer macht das Zoonosen-Monitoring?
Die AVV Zoonosen Lebensmittelkette setzt die Richtlinie in Deutschland um. Die Fassung von 2012 gilt seit dem 1. Januar 2012 und wurde zuletzt am 13. September 2023 geändert.
BVL und BfR entwerfen mit Fachleuten der Länder den jährlichen Stichprobenplan. Der Ausschuss "Zoonosen" beschließt ihn bis zum 31. Oktober für das Folgejahr (§ 6 AVV). Die Länderbehörden nehmen und untersuchen die Proben. Ihre Labore schicken Isolate an die Nationalen Referenzlaboratorien am BfR zur weiteren Charakterisierung und Resistenzprüfung. Das BVL veröffentlicht den Jahresbericht. BVL und BfR übermitteln die Ergebnisse an die EFSA (BVL-Bericht 2024).
Die Schwerpunkte wechseln jährlich zwischen Geflügel sowie Kälbern, Rindern und Schweinen. Proben stammen aus Betrieben, von Schlachthöfen, aus Grenzkontrollstellen und aus dem Einzelhandel, dazu aus Futtermitteln und von Wild. Salmonellen, Campylobacter, L. monocytogenes und STEC stehen jedes Jahr im Plan (BVL-Bericht 2024). Ein positiver Befund ist ein Prävalenzwert, keine Rückrufentscheidung.
Was das Zoonosen-Monitoring 2024 fand
2024 war ein Geflügeljahr. Die Länder untersuchten 6.028 Proben und gewannen 4.638 Isolate (BVL, 03.12.2025, Bericht 2024).
| Erreger | Probe | positiv |
|---|---|---|
| Campylobacter | frisches Hähnchenfleisch im Einzelhandel, konventionell / bio | 41,0 % / 46,5 % |
| Campylobacter | Halshaut Masthähnchen am Schlachthof | 60,5 % |
| Campylobacter | Putenfleisch | 10,3 % |
| Salmonellen | Halshaut von Mastputen-Schlachtkörpern | 21,0 % |
| Salmonellen | Sesamprodukte (Tahini, Halva), 354 Proben | 2 % |
| L. monocytogenes | verzehrfertige Blattsalate | 10,4 % |
| STEC | Fleisch von Wildwiederkäuern | 31,3 % |
| ESBL/AmpC-E. coli | Blinddarminhalt Masthähnchen | 35,8 % |
In den Einzelhandelsproben war Bio-Hähnchenfleisch häufiger Campylobacter-positiv als konventionelles. Der Bericht hält fest, dass sich die positive Entwicklung von 2022 nicht fortgesetzt hat. Beim Hähnchenfleisch lagen die Vergleichswerte 2022 bei 46,0 % und 2020 bei 54,4 % (BVL-Bericht 2024).
Bei der Halshaut von Masthähnchen lagen 19,8 % der Proben über 1.000 koloniebildenden Einheiten je Gramm (KbE/g). Kein Listerien-Befund in den Salaten (32 von 307) lag über 100 KbE/g. Positive Puten-Schlachtkörper häuften sich in einzelnen Schlachthöfen. ESBL/AmpC-E. coli im Blinddarminhalt von Masthähnchen erreichten den niedrigsten Nachweisanteil seit 2016.
Zoonosen beim Menschen
Das RKI zählte 2024 in Deutschland 46.112 Campylobacter-Enteritiden, 15 % mehr als 2023 und die häufigste meldepflichtige bakterielle Darminfektion. Hinzu kamen 12.390 Salmonellosen und 4.567 EHEC-Erkrankungen. Das EHEC-Plus von 33 % führt das RKI vor allem auf mehr Multiplex-PCR-Testungen zurück. Dazu kamen 663 Listeriosen mit 38 Todesfällen. Wer Beschwerden nach einer möglichen Infektion hat, sollte ärztlichen Rat einholen. In der EU lag Campylobacteriose 2024 vorn, mit 168.396 bestätigten Fällen, dann Salmonellose (79.703) und STEC (11.738) (EFSA/ECDC).
Nach § 7 IfSG melden Labore Nachweise von darmpathogenen Campylobacter, EHEC und Salmonellen. Bei Listeria monocytogenes gilt das nur für Nachweise aus Blut, Liquor, anderem normalerweise sterilem Material oder Abstrichen von Neugeborenen.
Ärzte melden nach § 6 Absatz 1 Nummer 2 IfSG den Verdacht und die Erkrankung einer mikrobiell bedingten Lebensmittelvergiftung oder akuten infektiösen Gastroenteritis. Das gilt, wenn die Person eine Tätigkeit nach § 42 Absatz 1 ausübt, oder wenn mindestens zwei gleichartige Erkrankungen einen wahrscheinlichen oder vermuteten epidemischen Zusammenhang haben.
Ist Vogelgrippe eine Zoonose?
Hochpathogene Vogelgrippeviren, und auch manche niedrigpathogenen, können laut FLI auf den Menschen übergehen. Tödliche Verläufe beschreibt das FLI bei einer hohen Infektionsdosis. Im Herbst 2025 stiegen die Fälle steil an, allein im November gab es 105 Ausbrüche bei Geflügel und gehaltenen Vögeln. Von Dezember 2025 bis März 2026 wurde H5 auch bei Füchsen, Waschbären und drei Hauskatzen nachgewiesen. Die aktuelle Risikoeinschätzung des FLI stammt vom 7. September 2026.
Die Monitoring-Zahlen mit Quellen stehen bei RegAffairs AI.